From: Björn Schmidt
Vor langer Zeit, in der goldenen Ära der Computer Startups, war es noch einfach, die Männer von den Memmen zu trennen (mitunter auch "Echte Männer" und "Müsli-Fresser" genannt). Echte Männer programmierten Computer, und Müsli-Fresser liessen es bleiben. Ein echter Computer-Programmierer sagte Dinge wie "DO 10 I=0,10" oder "ABEND", und der Rest der Welt quengelte "Computer sind mir zu kompliziert" oder "Ich kann zu Computern keine gefühlsmässige Bindung aufbauen sie sind zu unpersönlich". Dabei zeigt schon Remy Eyssen's Buch "Echte Männer mögen kein Müsli" (Heine TB 6290), dass echte Männer zu nichts und niemandem eine "gefühlsmäßige Bindung" aufbauen, und dass sie auch keine Angst haben, unpersönlich zu sein. Aber die Zeiten ändern sich. Heute stehen wir einer Welt gegenüber, in der kleine alte Damen vollcomputerisierte Mikrowellenherde kaufen können, in der 12 Jahre alte Dreikäsehochs gestandene Männer bei ASTEROIDS und PACMAN sattmachen und in der jeder seinen eigenen Heimcomputer kaufen und sogar verstehen kann. Der Echte Programmierer ist gefährdet, von Studenten mit einem igITT 2020 (deutsche Version des ABFALL II, A. d. Ue.) im Gepäck ersetzt zu werden! Es gibt allerdings einige Unterschiede zwischen dem typischen PACMAN-spielenden Gymnasiasten und einem Echten Programmierer. Die Kenntnis dieser Unterschiede wird den Heranwachsenden ein Ziel geben, nach dem sie streben können -- ein Vorbild, eine Vaterfigur. Ausserdem schützt sie die Echten Programmierer vor der Arbeitslosigkeit. Der einfachste Weg, um einen Echten Programmierer zu erkennen, führt über die von ihm benutzte Programmiersprache. Echte Programmierer benutzen FORTRAN. Müsli-Fresser benutzen Pascal. Niklaus Wirth, der Schoepfer von Pascal, wurde einmal gefragt, wie man seinen Namen ausspreche. "You can either call me by name, pronouncing it 'Veert', or call me by value, 'worth' ", antwortete er. Diese Bemerkung zeigt sofort, dass Wirth ein Müsli-Fresser ist. Der einzige Parameterübergabemechanismus, den Echte Programmierer akzeptieren, ist call-by-value-return (call-by-result, A. d. Ue.), wie er in den IBM/370 Fortran-G- und -H-Compilern implementiert ist. Echte Programmierer brauchen schliesslich keine abstrakten Konzepte; sie sind vollkommen glücklich mit einem Lochkartenstanzer, einem Fortran-IV-Compiler und einem Bier. Echte Programmierer erledigen Listen- verarbeitung, Zeichenketten-Manipulationen, Abrechnungswesen (wenn überhaupt) und künstliche Intelligenz in FORTRAN. Was sie mit FORTRAN nicht machen können, machen sie mit Assembler; was sie mit Assembler nicht machen können, lassen sie verächtlich liegen. Akademische Computerspezialisten sind in den letzten Jahren aufs Abstellgleis der strukturierten Programmierung geraten. Sie behaupten, dass Programme verständlicher werden, wenn bestimmte Sprachkonstrukte und Programmiertechniken benutzt werden. Sie können sich natürlich nicht einigen, welche Konstrukte am besten geeignet sind, und die Beispiele, an denen sie ihren speziellen Standpunkt aufzeigen wollen, passen ausnahmslos auf eine einzige Seite irgendeines obskuren Journales. Als ich aus der Schule kam, dachte ich, ich sei der beste Programmierer der Welt. Ich konnte ein unschlagbares TIC-TAC-TOE-Spiel schreiben, beherrschte fünf verschiedene Programmiersprachen und schrieb fehlerfreie 1000-Zeilen-Programme. Dann kam ich in die Wirklichkeit. Meine erdste Aufgabe bestand darin, ein 200000- Zeilen-FORTRAN-Programm zu lesen, zu verstehen und um den Faktor 2 zu beschleunigen. Jeder Echte Programmierer wird einem versichern, dass die gesamte strukturierte Programmierung der Welt in einem solchen Fall nicht hilft - hier braucht man wirklich Talent. Einige Beobachtungen zum Thema "Echte Programmierer und strukturierte Programmierung": o Echte Programmierer haben keine Angst vor GO-TO's. o Echte Programmierer schreiben 5 Seiten lange DO-Schleifen, ohne durcheinander zu geraten. o Echte Programmierer lieben arithmetische IF-Statements (die mit den 3 Ausgängen, A. des Ü.), weil sie den Code interessanter machen. o Echte Programmierer schreiben selbstmodifizierende Programme, speziell, wenn sie damit in einer kleinen Schleife 20 Nanosekunden einsparen können. o Echte Programmierer brauchen keine Kommentare, das Programm ist selbstdokumentierend. o Da FORTRAN strukturierte IF-, REPEAT...UNTIL- oder CASE- Anweisungen nicht kennt, braucht sich der Echte Programmierer nicht zu sorgen, dass er sie nicht benutzt. Ausserdem kann man sie noetigenfalls über "Assigned GOTOs" (Zuweisung eines Sprunglabels auf eine Variable, A. d. Ue.) simulieren. Auch Datenstrukturen waren in der letzten Zeit in der Diskussion. Abstrakte Datentypen, Records, Pointer, Listen und Zeichenketten sind in gewissen Kreisen populär geworden. Wirth, der Müsli-Fresser, verfasste sogar ein ganzes Buch ("Algorithmen und Datenstrukturen", Teubner 1975), in dem er behauptete, dass man Programme schreiben könne, die auf Datenstrukturen aufbauen, statt es umgekehrt zu machen. Wie jeder Echte Programmierer weiss, gibt es nur eine wirklich nuetzliche Datenstruktur, das Array. Zeichenketten, Listen, Records und Mengen sind allesamt Sonderfaelle von Arrays und können auch so behandelt werden, ohne dadurch die Sprache zu verkomplizieren. Das schlimmste an den ganzen schoenen Typen ist ausserdem, dass man sie deklarieren muss, waehrend Echte Programmiersprachen, wie man weiss, den Typ anhand des ersten Buchstabens eines maximal 6 Zeichen langen Bezeichners implizit festlegen. Welches Betriebssystem der Echte Programmierer benutzt? CP/M? Gott bewahre! Das ist doch im Grunde ein Spielzeug-Betriebssystem. Selbst kleine alte Damen und Hauptschueler können CP/M benutzen und verstehen. UNIX ist natürlich schon viel komplizierter -- der typische UNIX-Hacker weiss nie, wie das PRINT-Kommando diese Woche heisst -- aber wenn man es genau nimmt, ist UNIX auch nur ein verherrlichtes Telespiel. Niemand arbeitet auf UNIX-System an ernstzunehmenden Dingen -- man schickt kleine Witzchen über USENET rund um die Welt, oder schreibt ein neues Adventure-Spiel oder Forschungsberichte. Nein, der Echte Programmier benutzt OS/370. Ein guter Programmierer kann die Beschreibung des Fehlers IJK305I in seinem JCL (Job Control Language, A. d. Tippers) -Manual finden und verstehen. Ein grossartiger Programmierer kann JCL schreiben, ohne je das Manual zu sehen. Ein wahrhaft ausserordentlich guter Programmierer kann Fehler in einem 6-Megabyte-Hexdump finden, ohne einen Taschenrechner zu benutzen. OS/370 ist wirklich ein bemerkenswertes Betriebssystem. Mit einem einzigen falsch plazierten Leerzeichen kann man die gesamte Arbeit mehrerer Tage zerstoeren, was die Wachsamkeit im Programmierteam ungemein foerdert. Der beste Weg zum System ist der Kartenstanzer. Zwar behaupten einige Leute, es gaebe ein Timesharing-System unter OS/370, aber nach sorgfaeltigen Nachforschungen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass sie sich irren. Welche Werkzeuge kann ein Echter Programmierer benutzen? Nun, theoretisch könnte er seine Programme über die Maschinenkonsole eingeben und laufen lassen. In den fruehen Tagen der Computerei, als Computer noch Maschinenkonsolen hatten, wurde dies auch gelegentlich getan. Der typische Programmierer wusste den System-Urlader Bit fuer Bit auswendig und tastete ihn ein, sobald er von seinem Programm zerstoert worden war. Damals war Speicher auch noch Speicher -- der war nicht einfach leer, wenn der Strom ausfiel. Hauptspeicher von heute hingegen vergessen entweder Dinge, die sie behalten sollen, oder halten Informationen, die schon lange weg sein sollten. Aber zurueck zum Thema. Die Legende sagt, dass Seymour Cray, der Erfinder des Cray-I-Supercomputers und der meisten anderen Rechner von Control Data, selbst das erste Betriebssystem fuer die CDC 7600 an der Maschinen- konsole eingetastet hat, als sie das erste Mal eingeschaltet wurde. Cray ist selbstverständlich ein echter Programmierer. Einer der Programmierer, die ich am meisten bewundere, arbeitet als Systemprogrammierer fuer Texas Instruments. Eines Tages erhielt er ein Ferngespräch von einem Benutzer, dessen System mitten in einer wichtigen Arbeit abgestürzt war. Der Typ reparierte dann den Schaden über's Telefon. Er brachte den Benutzer dazu, an der Maschinenkonsole Disk-I/O-Instruktionen einzutasten, Systemtabellen in Hexadezimal zu reparieren und Registerinhalte über's Telefon durchzugeben. Die Moral von der Geschichte: Obwohl ein echter Programmierer normalerweise Kartenlocher und Schnelldrucker benutzt, kommt er im Notfall auch mit Maschinenkonsole und Telefon aus. In einigen Firmen besteht die Programmeingabe allerdings nicht mehr aus 10 schlangestehenden Ingenieuren, die auf einen 029-Locher warten. In meiner Firma zum Beispiel steht kein einziger Kartenlocher. Der Echte Programmierer muss in diesem Fall seine Arbeit mit einem Texteditor erledigen. Auf den meisten Rechnern stehen verschiedene Editoren zur Verfuegung, und der Echte Programmierer mua aufpassen, dass er einen erwischt, der seinen persönlichen Stil wiedergibt. Viele Leute glauben, dass die besten Editoren der Welt im Xerox Palo Alto Research Center geschrieben wurden und auf Alto- und Dorado-Computern laufen. Unglücklicherweise wuerde jedoch kein Echter Programmierer einen Computer mit einem Betriebssystem benutzen, das Smalltalk (Geplapper, A. d. Ue.) heisst, und sicherlich auch nicht über eine Maus mit einem Rechner kommunizieren. Einige Konzepte der Xerox-Editoren sind mittlerweile in Editoren eingeflossen, die unter sinnvoller benannten Betriebssystemen arbeiten, so wie EMACS und VI. Das Problem mit diesen Editoren ist, dass Echte Programmierer das Prinzip "Du kriegst, was du siehst" fuer schlecht halten. Der Echte Programmierer will einen "Du hast es so gewollt, da hast du's"-Editor, einen, der kompliziert ist, kryptisch, leistungsfähig, gnadenlos und gefährlich. TECO, um genau zu sein. Es wurde beobachtet, dass TECO-Kommandofolgen dem Leitungsrauschen aehnlicher sind sind als lesbarem Text. Eines der unterhaltsameren Spiele, die mit TECO möglich sind, besteht darin, den eigenen Namen als Kommando einzugeben und zu raten, was dann passiert. So ungefähr jeder mögliche Tippfehler kann dank TECO das gerade editierte Programm zerstoeren, oder schlimmer noch, kann kleine mysterioese Fehler in einstmals funktionierende Unterprogramme einbringen. Aus diesem Grund editieren Echte Programmierer nur sehr widerwillig Programme, die schon fast laufen. Sie finden es viel einfacher, den binaeren Objektcode direkt zu ändern, fuer gewoehnlich mit einem wundervollen Programm, das SUPERZAP heiat (auf Nicht-IBM-Rechnern entsprechend anders). Dies funktioniert so gut, dass viele laufende Programme auf IBM-Systemen keine Aehnlichkeit mit dem urspruenglichen FORTRAN-Quellpro -gramm haben. In einigen Faellen ist nicht einmal mehr das Quellprogramm vorhanden. Wenn dann der Zeitpunkt gekommen ist, ein Programm zu ändern, wuerde kein Manager auch nur daran denken, einem geringeren als einem Echten Programmierer diese Arbeit zu übertragen -- kein Müsli-fressender strukturierter Programmierer wuesste auch nur, wo er mit der Arbeit anfangen sollte. Man nennt das Arbeitssicherungsmaanahme. Hier eine Liste der wichtigsten Programmierhilfen, die der Echte Programmierer nicht benutzt: FORTRAN-Praeprozessoren wie MORTRAN oder RATFOR: Diese Haute Cuisine der Programmierung eignet sich hervorragend, um Müsli zu produzieren. Quellcodeorientierte Debugger: Echte Programmierer lesen Hexdumps. Compiler, die Code fuer Array-Indexpruefung zur Laufzeit erzeugen: Sie ersticken jede Kreativitaet, zerstoeren die meisten der interessanteren Anwendungen der EQUIVALENCE-Vereinbarung, und machen Aenderungen des Betriebssystems mittels negativer Indizes unmöglich. Und, schlimmer noch, solcher Code ist ineffizient. Programm-Pflege-Systeme: Ein Echter Programmierer haelt seine Software als Kartenstapel unter Verschluss, denn dies zeigt, dass der Besitzer seine wichtigen Programme nicht unbewacht lassen kann. Wo der typische Echte Programmierer arbeitet? Welche Art von Programmen derart talentierter Individuen wuerdig ist? Nun, man kann sicher sein, dass man nie einen Echten Programmierer beim Schreiben von Buchhaltungsprogrammen in COBOL erwischen wird, oder gar beim Sortieren der Abonnentenadressen des SPIEGEL. Nein, ein echter Programmierer braucht Aufgaben von weltbewegender Bedeutung. Echte Programmierer arbeiten fuer das Los Alamos National Laboratory und schreiben dort Atomkriegs-Simulationen auf Cray-I-Supercomputern, oder sie arbeiten bei der National Security Agency und entschluesseln russische Funksprueche. Nur weil tausende Echter Programmierer fuer die NASA gearbeitet haben, waren "unsere Jungs" eher auf dem Mond als die Kosmonauten. Die Computer im Space Shuttle wurden von Echten Programmierern programmiert, und auch die Betriebssysteme der Cruise Missiles der Firma BOEING wurden von diesen echten Professionals entworfen. Einige der ehrfurchtseinfloessendsten Echten Programmierer arbeiten im Jet Propulsion Laboratory in Kalifornien. Viele von ihnen kennen das gesamte Betriebssystem der Pioneer- und Voyager-Sonden auswenig. Mit einer Kombination von grossen, bodengebundenen FORTRAN-Programmen und kleinen, von den Sonden mitgeführten Assembler-Programmen vollbringen sie unglaubliche Kunststuecke der Navigation und Improvisation. So treffen sie nur 10 Kilometer grosse Fenster nahe Saturn nach 6 Jahren Flug durch den Weltraum, oder reparieren bzw. umgehen defekte Sensoren, Sender oder Batterien. Angeblich soll es einem Echten Programmierer gelungen sein, in ein paar hundert Byte unbenutzten Speichers innerhalb der Voyager-Sonde ein Mustererkennungsprogramm zu pressen, das einen neuen Mond des Jupiters suchte, fand und fotografierte. Fuer die Galileo-Sonde ist vorgesehen, dass sie auf ihrem Weg zum Jupiter entlang einer schwerkraftgelenkten Bahn am Mars vorbeizieht. Diese Bahn führt in einer Entfernung von $80 pm 3$ km an der Marsoberflaeche vorbei. Kein Mensch wuerde diese Art der Navigation einem Pascal-Programm oder gar -Programmierer anvertrauen. Viele der Echten Programmierer dieser Welt arbeiten fuer die amerikanische Regierung, meist fuer das Verteidigungsministerium. So soll es sein. In letzter Zeit erscheinen dunkle Wolken am Horizont der Echten Programmierer. Es scheint, als haetten einige einflussreiche Müsli-Fresser im Verteidigungsministerium entschieden, dass in Zukunft alle Verteidigungsprogramme in so einer Art von grosser, vereinheitlichter Programmiersprache namens ADA geschrieben werden muessten. Lange Zeit schien es, als laege ADA's Bestimmung im Verstoss gegen alle Regeln der Echten Programmierung. Es ist eine Sprache mit Strukturen, Datentypen, strenger Typbindung und Semikolons. Kurz, sie ist wie geschaffen, um die Kreativitaet des typischen Echten Programmierers zu verkrueppeln. Glücklicherweise hat die jetzt vom DoD (Department of Defense, A. d. Tippers) ausgewaehlte Sprache noch genuegend interessante Eigenschaften, um dem Echten Programmierer eine Annaeherung zu ermöglichen: Sie ist unglaublich komplex, sie enthaelt Moeglichkeiten, um mit dem Betriebssystem herumzumachen, und Edgar Dijkstra mag sie nicht. Dijkstra ist, wie man wissen sollte, der Autor von "GOTOs Considered Harmful", einem Meilenstein der Programmiermethodologie, der von Pascal-Programmierern und Müsli-Fressern gleichermassen bewundert wird. Und ausserdem, ein zu allem entschlossener Echter Programmierer kann in jeder Sprache FORTRAN-Programme schreiben. Der Echte Programmierer kann allerdings auch Kompromisse in Bezug auf seine Prinzipien eingehen und an etwas geringeren Aufgaben als der Vernichtung des Lebens arbeiten, sofern er dafuer entsprechend bezahlt wird. Viele Echte Programmierer schreiben z.B. Telespiele fuer Atari, allerdings spielen sie nicht damit. Ein Echter Programmierer weiss, wie er die Maschine jedesmal schlagen kann, und damit ist es keine Herausforderung mehr. Jeder bei Lucas Film ist ein Echter Programmierer, denn es waere doch verrueckt, das Geld von 50 Millionen Star-Wars-Fans auszuschlagen. Der Anteil der Echten Programmierer im Bereich der Computer Graphics ist etwas niedriger als anderswo, was wahrscheinlich daran liegt, dass noch niemand irgendeinen Nutzen der Computer Graphic entdeckt hat. Andererseits werden Computer Graphics vornehmlich in FORTRAN abgehandelt, daher gibt es einige Leute, die so das Schreiben von COBOL-Programmen vermeiden. Im Allgemeinen spielt der Echte Programmierer, wie er arbeitet -- mit Computern. Er ist ständig darüber erheitert, daa sein Arbeitgeber ihn tatsaechlich fuer etwas bezahlt, was er nur so zum Spass ebenso tun wuerde -- allerdings achtet er darauf, diese Meinung nicht zu laut zu aeussern. Gelegentlich kommt der Echte Programmierer auch aus seinem Buero heraus, um sich ein wenig frische Luft und ein oder zwei Bierchen zu genehmigen. Hier daher einige Hinweise, wie man den Echten Programmierer ausserhalb des Computerraums erkennt: o Auf Parties stehen Echte Programmierer in einer Ecke und diskutieren über Sicherheitsmechanismen von Betriebssystem und wie man darum herumprogrammiert. o Bei Fussballspielen vergleicht der Echte Programmierer die Ergebnisse mit seinen auf gruenliniertem Leporello-Papier gedruckten Computer-Simulationsergebnissen. o Am Strand zeichnet der Echte Programmierer Flussdiagramme in den Sand. o Ein Echter Programmierer geht in die Disco, um sich die Lichtorgel anzusehen. o Bei Begraebnissen sagt der Echte Programmierer typischerweise "Armer Hans-Helmut. Er war mit seinem Sortierprogramm schon fast fertig, als ihn der Herzinfarkt erwischt hat". o Im Supermarkt besteht der Echte Programmierer darauf, seine Bierdosen selber über das Fenster des Strichcodelesers zu schieben, weil er keinem Kassierer zutraut, dies beim ersten Versuch richtig zu machen. In welcher Umgebung der Echte Programmierer am besten funktioniert? Nun, dies ist eine sehr wichtige Frage fuer die Manager von Echten Programmierern. Wenn man bedenkt, wie teuer es ist, einen von ihnen in Betrieb zu halten, dann sollte man ihn oder sie in eine optimale Arbeitsumgebung versetzen. Der typische Echte Programmierer lebt vor einem Computerterminal. Rund um dieses Terminal liegen Ausdrucke von jedem Programm, an dem er je gearbeitet hat, sie stapeln sich grob chronologisch geordnet auf jeder ebenen Flaeche des Bueros. Im Zimmer verteilt finden sich über ein Dutzend mit kaltem Kaffee mehr oder minder gefuellte Tassen. Gelegentlich schwimmen Zigarettenkippen darin herum, in einigen Faellen auch Reste von Orangenschalen. Irgendwo liegen Kopien des OS JCL Manuals und der "Principles of Operation" an einer besonders interessanten Stelle aufgeschlagen herum, ausser bei extrem guten Leuten. An der Wand klebt ein Schnelldrucker-Kalender mit Snoopy drauf aus dem Jahre 1969. Ueber den Boden verteilt liegen Reste der Verpackungen von gefuellten Keksen (der Typ, der schon in der Fabrik so furztrocken gebacken wird, dass er auch bei laengerem Liegen im Automaten nicht schlechter wird). Schliesslich, in der linken, oberen Schublade des Schreibtischs, unter der Schachtel mit den Muntermachern, liegt eine Schablone fuer Flussdiagramme, die sein Vorgänger dort vergessen hat. Echte Programmierer schreiben Programme und keine Dokumentation, das überlaesst man den Typen von der Wartung. Der Echte Programmierer ist in der Lage, 30, 40, ja sogar 50 Stunden in einem Rutsch zu arbeiten, und das unter hohem Zeitdruck. Genaugenommen mag er es so am liebsten. Schlechte Antwortzeiten regen den Echten Programmierer nicht auf -- sie geben ihm eine Chance, zwischen zwei Kommandos ein bischen Schlaf zu ergattern. Wenn die Planung nicht genuegend Zeitdruck bereithaelt, dann tendiert der Echte Programmierer dazu, seine Arbeit herausfordernder zu machen, indem er sich die ersten neun Wochen mit einem kleinen, aber sehr interessanten Teil des Problems befasst, um dann in der letzten Woche seine Aufgabe in zwei oder drei 50-Stunden-Marathonsitzungen zu beenden. Dies beeindruckt nicht nur den Manager, sondern schafft gleichzeitig eine hervorragende Entschuldigung fuer das Fehlen der Dokumentation. Und überhaupt: Kein Echter Programmierer arbeitet von 9 bis 5, ausser denen von der Nachtschicht. Echte Programmierer tragen keine Schlipse. Echte Programmierer tragen keine hochhackigen Schuhe. Echte Programmierer kommen zur Arbeit, wenn andere zum Mittagessen gehen. Ein Echter Programmierer vergisst vielleicht den Vornamen seiner Angetrauten, aber niemals den Inhalt der gesamten ASCII- (bzw. EBCDIC-) Tabelle. Echte Programmierer können nicht kochen. Da Supermaerkte um 3 Uhr morgens selten geoeffnet haben, muessen sie sowieso von Kaffee und Keksen leben. Die Zukunft betrachtend machen sich eine Reihe von Echten Programmierern Sorgen, dass die juengste Programmierergeneration nicht mehr mit der gleichen Lebensperspektive aufwaechst wie sie selbst. Viele der Juengeren haben noch nie einen Computer mit Maschinenkonsole gesehen. Kaum ein Schulabgänger kann heute noch hexadezimal rechnen, ohne einen Taschenrechner zu benutzen. Die Studenten von heute sind weich -- geschützt vor den Realitaeten der Programmierung durch symbolische Debugger, Texteditoren, die Klammern zaehlen, und benutzerfreundliche Betriebssysteme. Und das schlimmste ist, einige dieser angeblichen Computer-Spezialisten kommen zu Rang und Namen, ohne je FORTRAN zu lernen! Sind wir dazu verdammt, eine Industrie von UNIX-Hackern und Pascal-Programmierern zu werden? Nun, aus meiner Erfahrung heraus glaube ich, behaupten zu duerfen, dass das Schicksal den Echten Programmierern wohlgesonnen ist. Weder OS/370 noch FORTRAN zeigen irgendwelche Symptome des Aussterbens, trotz aller Anstrengungen der Pascal-Programmierer. Selbst subtilere Tricks wie das Hinzufuegen strukturierter Schleifen zu FORTRAN sind fehlgeschlagen. Sicher, einige Computerhersteller liefern FORTRAN-77-Compiler, aber jeder einzelne von ihnen laesst sich über eine einzige Compiler-Option in einen FORTRAN-66-Compiler verwandeln -- mit DO-Schleifen, wie von Gott geschaffen. Selbst UNIX scheint fuer den Echten Programmierer nicht mehr so schlecht zu sein wie frueher. Die neueste UNIX-Version hat das Potential eines Betriebssystems, das eines Echten Programmierers wuerdig ist. Sie hat zwei verschiedene, leicht inkompatible Benutzerschnittstellen, einen geheimnisvollen und komplizierten Teletype-Treiber und virtuellen Speicher. Und wenn der Echte Programmierer die Strukturierung ignoriert, kann er sich sogar mit C anfreunden. Schliealich gibt es keine Typenbindung, Bezeichner sind sieben (Zehn? Acht?) Zeichen lang, und man hat Zeiger als Bonus. Das ist, als haette man die besten Teile von FORTRAN und Assembler vereinigt, von den kreativeren Moeglichkeiten des #define ganz zu schweigen. Nein, die Zukunft ist nicht völlig schlecht. So hat sich in den vergangenen Jahren die populäre Presse sogar über die clevere neue Brut von Computer-Schraten und -Hackern geaeussert, die Plaetze wie Stanford und MIT zugunsten der Wirklichkeit verlassen haben. Allen Anzeichen nach lebt der Geist der Echten Programmierung weiter in diesen jungen Männern und Frauen. Und solange es schlecht beschriebene Ziele, bizarre Fehler und unrealistische Zeitplaene gibt, solange wird es Echte Programmierer geben, die bereit sind, einzuspringen und das Problem zu loesen, und die sich die Dokumentation fuer spaeter aufheben.